Geschichte von Sonnenhausen

Liebe Besucher, Gäste und Freunde,

Sonnenhausen ist etwas Besonderes, stellt der kleine Weiler doch eine der wenigen historischen Rodungsinseln in unserer Region dar, mit einer Größe von etwa 25 Hektaren. Schon im Mittelalter war Sonnenhausen der Herrensitz des Nikolaus von Beyharting, der hier in einem kleinen burgähnlichen Schlösschen wirkte. Dieses Gebäude, über das es leider  nur schriftliche Aufzeichnungen und keinerlei Zeichnungen gibt, ist genau wie die historische St.-Ulrichs-Kapelle am höchsten Punkt Sonnenhausens Anfang des 18. Jahrhunderts (1805) durch Brandschatzungen der Franzosen untergegangen. Wir haben nur einige Grundmauern gefunden.

Nicht viel später wurde das zum Gut gehörende Bauernhaus im typisch oberbayerischen Stil erbaut. Erst 1900, als Baron Adolf von Büsing Orville aus Regensburg Sonnenhausen kaufte, wurde das später durch uns als Veranstaltungshotel ausgebaute Gestüt gebaut. Der Baron liebte Irische Jagdpferde, die er hier züchtete. Es wurde, wie für diese Zeit üblich, in einem un-bayerischen Stil errichtet, oder sagen wir im historistisch- Europäischen Stil. Europa erweiterte sich damals enorm, das Kaiserreich war expansiv unterwegs, der Deutsche Imperialismus hatte den Zenit grad überschritten. Das angehende 20. Jahrhundert war wie in jedem vorangegangenen Jahrhundert die Zeit des Aufbruchs, deswegen haben bayerische Architekten (Spannagel und von Thiersch) für Sonnenhausen Anleihen beim Englischen Baustil genommen, für den der Baron ein Faible hatte: nicht streng symmetrisch wie in Frankreich, sondern mit leichten Abweichungen, wie man erkennt: so wurde die westliche Seite des nach Süden geöffneten Hufeisens mit der östlichen Seite nicht im Detail gespiegelt, denn es zeichnen sich bei genauer Betrachtung viele Unterschiede heraus. Die beiden Türme im Innenhof und die Reithalle als markante Applikationen bringen das ganze Bild in eine für die gute Wirkung wichtige Rechtsrotation, ähnlich wie beim goldenen Schnitt. Unterschiedliche Dachhöhen in den einzelnen Trakten lassen das Gut so erscheinen, als sei über Jahrzehnte immer wieder angebaut worden: eine Zeitreihe wird sichtbar, die es in Wirklichkeit aber gar nicht gab: das Gut wurde in weniger als zwei Jahren gebaut. Bei näherer Betrachtung der Details werden sie viel Jugendstil finden, bei den Messing-und Eisenbeschlägen, bei den Toren und den geschnitzten Holzgauben und Vordächern und dem gestalteten Torbogen zur Reithalle, und bei vielen noch existierenden Lampen und Ausstattungen in den Häusern.

Baron Adolf von Büsing Orville, wohlhabender Unternehmer in der Kaiserzeit, der in Regensburg den „Schmalzler“, also den Schnupftabak weltmarktfähig gemacht hatte und damit sehr reich geworden war, hat dann 1927 alle seine Ländereien in unserer Region in Windeseile verkauft, auch Herrmannsdorf, das Schloss Zinneberg und Georgenberg gehörten dazu, neben Sonnenhausen die bedeutendsten architektonischen „Diamanten“ im Gemeindegebiet Glonn. Auch die Grandauer Brauerei in Grafing und die Wiesmühle, das Wasserkraftwerk in Glonn, hat er in dieser Zeit verkauft. Ein kurzes aber wirkungsvolles Intermezzo war das in der Geschichte unserer Gemeinde. nicht einmal 30 Jahre hat Büsing hier gewirkt (da ist die Familie Schweisfurth schon drüber!). Das Schloss Zinneberg ist ja gleich in unserer Nachbarschaft, an dessen Schlossmauer geht oder fährt man vorbei, um nach Sonnenhausen zu kommen. Der Baron emigrierte in die Schweiz, und die „Schwestern vom Guten Hirten“ aus München übernahmen das Schloss und auch Sonnenhausen. Das Schloss ist heute Gästehaus, Schule, Wohnheim und Ausbildungsstätte für junge Frauen, welche die Schwestern mit viel Elan betrieben. In Sonnenhausen wurden durch die Klosterschwestern bis in die 60er hinein Jahre Milchvieh gehalten und Milch verarbeitet (…in der heutigen Milchküche, Apartment 90), Gartenbau betrieben und Unterricht abgehalten. In der Kapelle wurde gebetet, dort, wo heute unser „Kapellsaal“ ist.

Anfang der 70er Jahre verpachteten die Schwestern vom Guten Hirten Sonnenhausen an Reitersleute aus München, und es zogen nach über 40 Jahren wieder Pferde in Sonnenhausen ein. Sonnenhausen war dann vor und während der Olympiade 1972 der Hotspot für die Welt der Military-Reiter, hier wurde trainiert, hier waren die Pferde untergebracht. An machen Stellen im Gelände sieht man noch die Hindernisse.

Meine Familie hat Sonnenhausen 1985 erworben, fast zeitgleich mit Gut Herrmannsdorf, wo wir seitdem ein Zentrum für lokale und regionale Lebensmittelwirtschaft auf ökologischer Basis aufgebaut haben. Sonnenhausen beherbergte deshalb damals die erste Vollkorn-Natursauerteig-Bäckerei (heute Kapellsaal), die ersten Käse-Reiferäume in den Gewölbekellern und die Ur-Schnapsbrennerei im heutigen Restaurant.

Wir haben aus Sonnenhausen ein Begegnungszentrum für Menschen, die den Ort begehrenswert finden, gemacht. Er ist so nah an der Stadt München, daß es sich lohnt, den kurzen Weg auf sich zu nehmen. Fährt man aus dem Wald zwischen dem Speckgürtel von München und Glonn heraus, eröffnet sich der Blick auf die wunderbar hügelige Voralpenlandschaft und die Bergkette vom Salzkammergut bis zum Tegernsee. Zwei Kilometer noch, und man befindet sich in Sonnenhausen! Hier kann man in den alten Stallungen, der ehemaligen Kapelle und Bäckerei, in der Reithalle, dem historischen Bauernhaus und den vielen schönen Räumen im Haupthaus in Frieden seine Tagungen, Meetings und Kongresse abhalten. Die weitläufige Natur, die Tiere und die Stille helfen mit, dass gute Gedanken und neues Wissen in die Welt kommen.

Wenn Sie Fragen zum Haus uns seinen Ursprüngen haben, sprechen Sie mich bitte an! Ich wohne selber hier und bin häufig da!

Ihr Georg Schweisfurth